minerals.ch - eine lange Geschichte...
Mineralien von Lengenbach bis China
Eine interessante Geschichte aus Gurtnellen

Wenn es untypische Urner Mineralienfreunde gibt, so ist Raini Sicher aus Gurtnellen einer von ihnen. Er liebt zwar Mineralien und er ist Urner, aber er sammelt und handelt vor allem mit Steinen, die nicht in der Schweiz gefunden worden sind. «ich bin hier im Kanton ein exot», sagt er von sich selber. Und als Käufer und Verkäufer von Mineralien aus aller Welt komme er den Strahlern in Uri nicht in die Quere. Raini Sicher ist mit Mineralien aufgewachsen. Sein Vater Valentin Sicher hat jahrelang selber Mineralien gesucht und gesammelt, gehört in Uri zu den bekanntesten Fachpersonen und hat die Vereinigung der Urner Mineralienfreunde mitgegründet. in Gurtnellen hat er eine Ausstellung mit seinen schönsten Stücken eingerichtet. Sie wird immer wieder besucht, von Schulklassen, Interessierten, Kaufwilligen. Raini Sicher möchte die Sammlung zu einem kleinen Museum umbauen. Raum und Ideen hat er genug. Zur Sammlung gehören unter anderem exzellente Funde aus den Alpen wie Morion, Brookit oder Apatit. Eine Besonderheit stellt die wohl umfassendste Sammlung von Mineralien aus dem Gebiet Lengenbach im Binntal dar. «Mein Vater hat rund 4000 bis 5000 Stücke, davon hat er nur selten etwas verkauft», sagt Raini Sicher.

Schon für Vater Valentin Sicher waren nicht nur alpine Mineralien begehrenswert. Er interessierte sich auch für das, was in anderen Gebirgen und auf anderen Kontinenten gefunden wurde. So tauschte er manches fremdländische Mineral für Stücke aus den hiesigen Alpen ein. Etwas, das in Urner Strahlerkreisen auch für Kopfschütteln gesorgt hatte.

In der Ausstellung in Gurtnellen sind viele ausseralpine Steine zu sehen. so zum Beispiel Aquamarine und Topase, aber auch Hämatite aus aller Welt und in allen grössen. Raini Sicher reichert die Ausstellung laufend an. «ich will d Qualität der Sammlung meines Vaters unbedingt zusammenhalten, viele Mineralien sind deshalb nicht verkäuflich», sagt er. Ein wichtiger neuer Teil der Sammlung ist heute eine umfassende Kollektion von Minerali aus China. Für Raini Sicher sind die Mineralien ein Hobby. Von Beruf ist er Reprophotograph. Zu den wichtigsten Kunden seiner Firma Teammedia gehören die Architekturzeitschrift «hochparterre» und Auktionshäuser. Er hat zwei Brüder, die auch in Gurtnellen tätig sind. Raini Sicher steigt – anders als sein Vater – in den Urner Bergen keinen Kristallen nach. Aber er reist oft in andere Länder, auf Märkte und Messen, um interessante Stücke zu erwerben. Er kauft und verkauft dabei in grossem Stil. So ersteht er in China oder Brasilien 20 bis 40 Stück von ein und demselben Mineral, oder jüngst hat er mehrere hundert grüne Fluorite in China erstanden. Er will die Ware über die Jahre hinweg verkaufen. «Mir bedeutet die Ästhetik der Mineralien mehr als deren Herkunft», sagt Raini Sicher. Mit dieser Haltung fühlt er sich in Uri und in der Schweiz etwas allein. Hierzulande gelten alpine Funde als wertvoller. «Weshalb das so sein soll – darüber könnte ich tagelang mit Urner Strahlern streiten», sagt der Gurtneller mit einem lachen. Hämatit etwa – da werde auf der ganzen Welt dasselbe gefunden. Anatas – die finde man in den Alpen, aber auch in Pakistan. «ein Laie kann die steine von Auge nicht voneinander unterscheiden, ausser anhand des Preises», sagt Raini Sicher. Und er illustriert das Beispiel: Da könne ein Anatas aus Thusis zwischen 4000 und 5000 Franken kosten, ein vergleichbares Stück aus Pakistan hingegen nur 600 bis 700 Franken. Manchmal stört sich Raini Sicher an den hohen Preisen für alpine Mineralien. Aus einem ganz speziellen Grund. Er sähe es gerne, wenn wieder mehr junge Menschen Mineralien sammeln würden. Bei den heutigen Preisen sei das jedoch schwierig.

Wenn man sich aber für Mineralien aus aller Welt interessiere, So lasse sich heute viel leichter eine Sammlung aufbauen. «ich bin selber kein Strahler. aber was für einen Strahler das Finden einer Kluft ist, ist für mich das entdecken neuer Angebote aus Funden in Alaska, Pakistan, Brasilien, Indien oder China – diese Länder sind so reichhaltig an Mineralien, davon können wir hier in der Schweiz nur träumen.» Raini Sicher verkauft seine Mineralien zu einem grossen Teil übers internet (www. minerals.ch). Da ist alles zu haben, was das Sammlerherz begehrt. Mineralien aus der schweiz, China, Afghanistan, Indien usw.: Antimonit, Binnit, Heulandit, Lapis, Quarz, Rubin, Spessartin, Turmalin, Zinkblende, Zinnober und viele andere mehr. Die günstigsten Steine sind für 20 euro zu haben, die teuersten für 17’000. Über die Firma AAA Minerals, die in Zug ihren Sitz hat, handelt Raini Sicher weltweit mit chinesischen Mineralien: Calcitblumen, Hämatite, Fluorite in allen Farben, Spinell usw. Die Verkaufsausstellung in Gurtnellen macht nur ein kleiner Teil seines Geschäfts aus. Vor kurzem hat Raini Sicher ein grosses Buch fertiggestellt. Eines, das die Mineralienfunde in China dokumentiert. Eine art Standardwerk. Ein chinesischer Wissenschafter hat die Texte geschrieben, Raini Sicher einen grossen Teil der Fotos gemacht. Überdies hat seine Firma Teammedia das Buch gestaltet. gedruckt wurde es in China. Es verkaufe sich in den USA hervorragend, sagt Raini Sicher, das investieren habe sich bereits gelohnt. Überhaupt funktioniere der Markt in Amerika ganz anders. «Da gibt es Leute, die ganze Sammlungen aufkaufen, nur um ihr Geld anzulegen.» auch interessierten sich die Sammler für neue Märkte und neue Funde aus der ganzen Welt. «Meine Einkünfte aus dem hobbymässigen Handel mit Mineralien erlaubt es mir, an jene Orte zu reisen, wo faszinierende Mineralien gefunden werden. Das ist doch grossartig», sagt Raini Sicher. Dem lässt sich schwer widersprechen.

Die Öffnungszeiten der Mineralien-Ausstellung können nach Absprache individuell sein.

Quelle: Thomas Bolli